Christian Born
Skulptur ist für mich ein Mittel, dem Unsichtbaren eine Form zu geben. In einer Zeit persönlicher Unsicherheit wurde das Gestalten von Skulpturen zu einer Erfahrung von Selbstwirksamkeit. Aus formlosem Material entstand etwas, das einen Platz im Raum einnimmt und eine eigene Präsenz entwickelt. Diese Erfahrung prägt meine künstlerische Haltung bis heute.
Im Zentrum meiner Arbeit steht der menschliche Körper als Ausdruck eines fortwährenden Werdens. Mich interessiert der Mensch nicht als abgeschlossene Gestalt, sondern als ein Wesen, das der Zeit ausgesetzt ist und sich mit ihr verändert. Erfahrungen, Begegnungen und Erinnerungen formen unser Selbstverständnis ein Leben lang. Persönliche Erfahrungen mit der Verletzlichkeit des Lebens haben meinen Blick auf diese Fragen geschärft. Sie bilden den Ausgangspunkt meiner Arbeit.
Der menschliche Körper wird für mich zum Medium dieser Auseinandersetzung. Aus dieser Haltung entstehen figurative Skulpturen und Skulpturengruppen, in denen der Körper nicht als Porträt, sondern als Träger existenzieller Fragen nach Identität, Beziehung und Transformation erscheint. Besonders in Skulpturengruppen interessiert mich, wie Bedeutung zwischen den Figuren entsteht – durch Nähe und Distanz, durch Körperhaltungen, Blickrichtungen und die Spannung des gemeinsamen Raums. Die Beziehung der Figuren zueinander wird selbst zum Ausdrucksträger.
Ich arbeite bewusst mit natürlichen Materialien wie Papier, Bienenwachs und Schafswolle. Im Gegensatz zu traditionellen Bildhauermaterialien verändern sie sich mit der Zeit und machen ihre eigene Materialität sichtbar. Material und Inhalt stehen dabei in unmittelbarer Beziehung zueinander: So wie der Mensch sich im Laufe seines Lebens verändert, verändern sich auch meine Skulpturen. Diese Veränderung verstehe ich nicht als Verlust, sondern als Fortsetzung des Werkes. Mich interessiert nicht die Illusion von Dauer, sondern die Frage, wie Beständigkeit gerade im Prozess der Veränderung entstehen kann.